Lastenhefte – Auslaufmodell oder Wiedergeburt?

Im Zeitalter der agilen Software-Entwicklung geraten das IT-Anforderungsmanagement und Lastenhefte zunehmend in den Hintergrund. Unabhängig davon, wie man die Artefakte nennt, auf gewisse Spezifikationen kann dennoch nicht verzichtet werden.

Heutzutage erfolgt die Software-Entwicklung fast ausschließlich im Rahmen agiler Vorgehensmodelle. Aufgrund der gewünschten Flexibilität und der kurzen Sprints werden kaum noch umfangreiche Lastenhefte geschrieben. Hat aber dieses Vorgehen in Bezug auf die Spezifikation eines Produktes wirklich nur Vorteile? Nein, sicher nicht. Die Flexibilität und die damit einhergehenden  Veränderungen gehen zu Lasten der Projektkosten und Projektzeit.

Kommen wir aber nochmal zurück zum Thema Lastenheft – oder sagen wir besser Spezifikation, um etwas allgemeiner zu bleiben. Wird nicht auch bei modernen Projektvorgehen eine Spezifikation benötigt? Es gibt Meinungen, dass dies in der Tat bei einer Sprintlänge von zwei Wochen für nicht erforderlich gehalten wird. Die UserStories und UseCases werden so geschrieben, dass dies ausreichend sein soll. Das mag in vielen Fällen wohlmöglich auch so sein, aber wie sieht es eigentlich mit den grundsätzlichen Themen, wie z.B. der Architektur aus? Ich bin in diesem Zusammenhang fest davon überzeugt, dass sehr wohl Spezifikationen benötigt werden. Erst der Spezifikationsprozess zwingt die beteiligten Stakeholder dazu, sich mit dem Projektgegenstand so intensiv auseinanderzusetzen, wie es für den Gesamtüberblick notwendig ist.

Spezifikation? Ja, aber muss es unbedingt ein Lastenheft sein?

Wenn, wie im vorherigen Abschnitt angedeutet, der Spezifikationsprozess an sich so wichtig ist, wie kann wohlmöglich eine Spezifikation erstellt werden, ohne in das traditionelle Muster eines Lastenheftes zurück zu fallen?

In der Vergangenheit wurde beim Spezifizieren das Lastenheft geschrieben. Da für Lastenhefte entsprechende Templates zum Einsatz kamen, war der gesamte Spezifikationsprozess nicht selten dadurch geprägt, dass man sich an der Vorlage „entlang hangelte“ und die Kapitel füllte. Hierbei wurde häufig zu wenig Augenmerk auf den zu spezifizierenden Gegenstand gelegt. Es bestand weniger das Ziel eine gute Spezifikation zu schreiben, sondern vielmehr das Bestreben, die Vorlage gut zu füllen. Das Ergebnis waren nicht selten unvollständige Lastenhefte mit mangelnde Qualität.

Es stellt sich die Frage: Gibt es einen anderen Weg?

Ein möglicher Ansatz: Modellbasierte Spezifikation

Die wichtigste Erkenntnis und Kernaussage aus vorherigem Abschnitt ist die These, dass sich zu wenig mit dem zu spezifizierenden Gegenstand auseinandergesetzt wurde und das Füllen der Vorlage zuviel Gewicht bekam. Mit dieser Erkenntnis spezifizieren wir in der ARCWAY AG genau anders herum: Ein Spezifikationsdokument, ein Lastenheft oder wie man es auch immer nennen mag, ist uns erst einmal egal. Ich komme später nochmal darauf zurück. Unabhängig, ob ein größeres Projekt oder auch nur der Umfang eines Sprints spezifiziert werden soll, wir richten den Blick voll und ganz auf den zu spezifizierenden Umfang. Die eigentliche Arbeit besteht darin, den zu beschreibenden Gegenstand zu spezifizieren. Dies erfolgt modellbasiert, d.h. wir beschreiben den zu spezifizierenden Gegenstand maßgeblich grafisch. Eine systematische und strukturierte Vorgehensweise hilft hierbei, um nichts zu vergessen und effizient und zielgerichtet vorzugehen.

In vielen Projekten haben sich hier die Fundamental Modelling Concepts (FMC) bewährt. Der Schlüssel liegt darin, dass zwischen den Bereichen Aufbau, Ablauf und Wertebereich unterschieden wird.

ARCWAY BIG Picture

Im Zentrum stehen Aufbaudarstellungen, mit denen als sog. „Big Picture“ der Überblick und das grundlegende Verständnis vermittelt wird. Mit ergänzenden Ablauf- und Wertebereichdarstellungen können die Funktion, Datenstrukturen etc. detailliert werden.

Mit Hilfe dieser grafischen Darstellungen wird das Verständnis für den zu beschreibenden Gegenstand vermittelt. Anschließend wird das grafische Modell mit weiteren Objekten konkretisiert. Dies sind bspw. Ziele, Risiken, Anforderungen etc. die einzeln formuliert und in das grafische Modell hineinverlinkt werden.

Der Fokus ist bei dieser Arbeit stets auf das Projekt und der Spezifizierungsmethode gerichtet und ein Dokument oder Dokumentvorlage spielt keine Rolle.

Am Ende steht ein Dokument

Wenn die Spezifikationsarbeit abgeschlossen ist, besteht natürlich der Wunsch nach einem Spezifikationsdokument (Sprintdefinition, Lastenheft, …). Aufgrund der verwendeten Modellierungsmethodik ist es möglich, vollautomatisch aus dem Modell heraus ein komplettes Lastenheft zu erstellen. Der besondere Vorteil liegt darin, dass das Dokument in sich komplett schlüssig und konsistent ist, da es auf Grundlage des grafischen Modells entstanden ist. Des Weiteren ist die Wartung und Pflege einfacher, auch mehrsprachige Dokumente sind möglich und auch die Spezifikationsarbeit mit mehreren Autoren wird bei der modellbasierten Spezifikation ideal unterstützt. Das Ergebnis ist qualitativ deutlich hochwertiger und der Gesamtaufwand deutlich geringer als bei klassischer Spezifikation.

Mit ARCWAY Cockpit und unserer modellbasierten Vorgehensweise sind Spezifikationsdokumente kein Aufwand sondern ein automatisches Ergebnis im Anschluss an eine selbstverständlich benötigte und vorhandene Klärungs- nd Designphase.

Das könnte dich auch interessieren

Du hast Fragen? Wir freuen uns auf deine Kontaktaufnahme.